Archiv der Kategorie: Öffentlichkeit

Deutscher Hauptfeldwebel in Afghanistan gefallen

Am Samstag, den 04. Mai 2013 ist nördlich vom OP North in der afghanischen Provinz Baghlan ein 32-jähriger Hauptfeldwebel aus dem Kommando Spezialkräfte (KSK)  in Calw gefallen.

Die Spezialkräfte hatten eine afghanische Operation im Norden Afghanistans begleitet und unterstützt. Dabei eröffneten Aufständische das Feuer auf die Soldaten. Es wurde Luftnahunterstützung eingesetzt.  Beim anschließenden Battle Damage Assessment (BDA) wurden die Soldaten erneut beschossen. Dabei fiel der Hauptfeldwebel, ein Kamerad wurde verwundet.

Einzelplan 14 ist in diesen schweren Stunden in Gedanken bei ihren Familien, Kameraden und Freunden.

Quelle: Bundeswehr. (05.05.2013). Afghanistan: Deutscher Soldat gefallen.

Fotoquelle: Einzelplan14.

 

 

Bodenlose Frechheit

"...Hope..." von ĐāżŦ {mostly absent}

Fotoquelle: „…Hope…“ von ĐāżŦ {mostly absent} (flickr.com)

Seit fast einer Woche schreibt Daniel Lücking sein PTBS-Blog Aufräumen, Kamerad!. Einige seiner Erlebnisse, Erfahrungen und Einstellungen kenne ich schon – von ihm und anderen Soldaten. Doch besonders berührt hat mich sein gestriger Beitrag „Über die Freiwilligkeit des Dienstes und der Einsätze“. Darin erzählt er davon, wie er zunächst SaZ 4 als Mannschaftssoldat wurde. Immer wieder wurde er auf die für ihn doch so passende Offizierlaufbahn angesprochen. Zunächst lehnt er ab, weiß nach vier Monaten als Soldat noch nicht, ob er Menschen führen will – und kann, gerade ist SFOR aktuell. Dann der Satz, der mich enttäuscht, erschüttert und wütend macht:

Mein Spieß erzählt mir, dass man um Einsätze immer irgendwie herum käme.

Die Aussage vom Spieß ist für mich eine bodenlose Frechheit. Sie erinnert mich an die Erzählung von Joshua Key in seinem Buch „The Deserter’s Tale“. Darin berichtet der amerikanische Pionier davon, dass ihm bei der Rekrutierung 2002 erzählt wurde, er müsse niemals in den Einsatz und würde lediglich in den USA Brücken bauen. Tragischerweise hat Key das geglaubt (bis er in den Irakkrieg geschickt wird), Lücking ist nicht so blauäugig. Für ihn gehört der Einsatz ganz logisch auch zum Soldatentum dazu.

Die Mär vom Soldaten, der sich nicht nur für das Töten sondern auch für das Verwundet werden und Fallen entschieden hat, wird ja gerade bei Anschlägen auf die Bundeswehr in den Online-Kommentaren der großen Tageszeitungen immer wieder aufgewärmt. „Selber schuld“ und „Soldaten sind Mörder“ gehört da häufig zum sprichwörtlichen guten Ton. Und wenn dann noch so ein Spieß kommt und davon schwärmt, dass man Offizier ja quasi auch völlig ohne Einsatz sein kann, platzt mir die Hutschnur.

Für mich ist die Aussage des Spieß ein Schlag ins Gesicht des Soldaten, seiner Freundin/Frau und seiner Kinder. Wenn es so einfach wäre, sich vor einem Einsatz dauerhaft „zu drücken“ (und als nichts anderes müsste man es wohl bezeichnen), wären sicher viele Beziehungen noch intakt, viele junge Menschen hätten Weihnachten zu Hause verbracht und tausende Väter hätten die ersten Schritte ihrer Kinder selbst gesehen und nicht nur auf Video verfolgt. Vieles davon hat Lücking selbst verpasst, gerade weil die Einsätze für ihn dazu gehören.

Mit dem schon fast etwas in der Luft schwebenden Satz über die Zeit nach seinem letzten Afghanistaneinsatz endet dieser Beitrag: 

Wie sehr ich meine Familie zu dem Zeitpunkt schon belastet hatte, war mir nicht bewusst.

Sein Text macht mich nachdenklich, traurig und wütend, ich kenne den Autor gut, habe besonders die ansteigende psychische Belastung in den letzten Monaten miterlebt. Nicht nur die Einsatzplanung ließ (und lässt ja generell) über weite Strecken zu wünschen übrig, auch der BFD ist (milde gesagt) schwierig.

Bloggerkollege Thomas Wiegold hat gleich zu Beginn dessen, was ich als Schreibtherapie oder Interapy bezeichnen würde, bei Augen Geradeaus auf das PTBS-Blog verwiesen. Er ordnet das Blog ein, lobt den Mut Daniel Lückings, seine Reaktion auf die Einsätze in einer Therapie aufzuarbeiten und sie auch öffentlich zu verarbeiten. Lücking macht sich durch die öffentliche Aufarbeitung seiner „einsatzbezogenen Belastungsreaktion“ (wie es im Medizinerdeutsch heißt) natürlich ein Stück weit verletzlich. Zu seiner Methode kann man stehen, wie man mag. Ich finde, sie verdient Respekt. Lücking will offen sein, auch selbst mit sich klar kommen, „outet“ sich noch während des Prozesses der Therapie. „Raus aus der Dunkelziffer“ ist der Untertitel seines Blogs, denn genau da, im (Ver)Schweigen und „schon irgendwie funktionieren“ liegt die Gefahr. Es gibt schon viel zu viele Veteranen in Deutschland, die mit ihren Problemen, Belastungen und Gedanken allein gelassen werden und den Weg zurück ins (zivile) Leben nicht schaffen, nicht mehr schaffen wollen und das alleine auch nicht können.

Einzelplan 14 findet den Weg über das Blog gut, richtig und sehr mutig und unterstützt Daniel Lücking als Bloggerkollegin, aber auch als Freundin.

Alles Gute, Daniel.

Leseempfehlung „Mein Freund ist in Afghanistan“

Meine Heimatfront empfiehlt völlig zu Recht „Mein Freund ist in Afghanistan“ von Maja Lenzen in der FAZ.

Darin erzählt die Freundin eines Bundeswehrsoldaten davon, wie das ist, wenn der Freund in Afghanistan ist, jeder Tag der letzte sein kann und was für Reaktionen sie bekommt, wenn sie erzählt, dass ihr Freund im Einsatz ist. Sie berichtet davon, wie unwirklich das friedliche Leben hier ist, von unterschwelliger Angst, Gefühlen der Schuld und davon, dass die Veranstaltungen des Familienbetreuungszentrums oft „gut gemeint, aber nicht gut gemacht“ sind. Leider ist das einigen von uns nicht neu:

…und dann sagte er etwas, das er dauernd wiederholte und was in meinem Kopf diese beiden Welten, die sich in diesem Vortragsraum in diesem Augenblick einander hätten nähern können, mit einem Mal so laut aufeinanderknallen ließ, dass danach die Kluft zwischen ihnen erst richtig sichtbar war. Er sagte nämlich: „Unsere Soldaten im Einsatz“ und er sagte: „Ihr Soldat im Einsatz“. Immer wieder sagte er das. „Unsere Soldaten“, „Ihr Soldat“. Ich aber saß da, hörte zu und dachte: Mein Freund ist nicht mein Soldat. Er ist mein Freund. Im Krieg…

Sie erzählt auch von der Rückkehr von Soldaten aus Afghanistan am Leipziger Flughafen, den sie sich angeschaut hat, um vorbereitet zu sein. Um zu wissen, wie so etwas vor sich geht.

Man sah, dass einige beim Friseur gewesen waren, jede von ihnen hatte sich sehr sorgfältig zurechtgemacht, einige hielten rote Rosen in der Hand. Die nicht mehr ganz so jungen Frauen, meistens mit schulfähigen Kindern an der Hand, wirkten vor allem müde und erschöpft. Wahrscheinlich, dachte ich, machen sie dieses Leben als Soldatenfrau schon länger mit, warten nicht zum ersten Mal, erst monatelang, jetzt am Flughafen.

Maja Lenzen schreibt einen bewegenden, sehr emotionalen und unverschleierten Text, der völlig ohne Kitsch auskommt und absolut lesenswert ist.

Am Mittwoch kommt ihr Freund zurück. Ich wünsche den beiden alles Gute und ganz viel Kraft.

Erzähl mir vom Krieg.

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In den letzten 10 Jahren habe ich etliche Kriegsgeschichten gehört. Einige waren unterhaltsam, bei einigen habe ich gelacht und bei einigen konnte ich nur zuhören. Manchmal bin ich einfach sprachlos. Sprachlos ob der Dinge, die Menschen in unserer Mitte erleben mussten, die sie jeden Tag mit sich herumtragen, die sie niemandem erzählen, die nur wenige ahnen.

Ein sehr guter Freund von mir war 2008 im Irak, als sein Panzer angesprengt wurde. “Ich habe hier Dinge gesehen, die kann ich meiner Frau und meiner Mutter nicht erzählen. Ich will sie nicht damit belasten, sie sollen sich keine Sorgen machen.“ schrieb er mir wenige Tage später aus dem Feldlager.

In den letzten Jahren habe ich auch Unterhaltsames gehört. Geschichten vom Hammelessen in Afghanistan etwa – “der hing da am Zelt, da war ein großer Fliegenschwarm drum herum, das Fleisch haben wir dann gegessen.“ Schmunzeln in der Runde… Geschichten von Shoppingerlebnissen auf dem Balkan. Erlebnisse, die im Nachhinein lustig sind.

Aber auch Geschichten, die allzu oft von einem Seufzen und Kopfschütteln (“Mein Gott, was da alles hätte passieren können…“) begleitet werden. Geschichten von verletztem Vertrauen, “Emergency Sex“ im Feldlager, der Sehnsucht nach einer heißen Dusche, den verpassten ersten Schritten der eigenen Kinder zu Hause. Auch Geschichten der Verlässlichkeit, der Kompromissbereitschaft “für den guten Zweck“, damit es weitergeht.

Es gibt auch die ruhigen Erzählungen, die mit dem abwesenden, suchenden Blick, die, bei denen sich mein Gesprächspartner an der Kaffeetasse festhält. Erinnerungen an Gefallene, daran wie und wann Kameraden und Freunde gestorben sind. Erinnerungen an Sinn- und Hilflosigkeit.

Sarkasmus, um die Verletzungen und Enttäuschungen nicht zulassen zu müssen. Zynismus, denn wie kann ein Soldat etwas, das ihm Staat und Armee zugesichert haben, tatsächlich erwarten? Schließlich war er bereit, das eigene Leben zu geben, die Frau zur Witwe und das Kind zum Halbwaisen zu machen – noch vor dessen Einschulung.

Ich habe zugesehen, als ein enger Freund traumatisiert aus seinem ersten Einsatz im Irak zurückgekehrt ist. Alltägliche Emotionen, die Freude über Sonnenschein, ein freier Parkplatz, waren viel zu extrem. Auch dadurch hat er seinen Bruder darin bestärkt, den gleichen Weg einzuschlagen. Nach dem zweiten Einsatz war er “wieder normal“.

Ich habe viel zu detaillierte Berichte über Gefechte mit Gefallenen gehört und dabei viel zu junge Witwen gesehen. Tapfer sei er gewesen, der Vater ihres kleinen Sohnes, der das alles noch gar nicht versteht. Im Krimi heißt das “Hatten Sie noch Pläne mit Ihrem Mann?“

An Tagen wie diesen, wenn Veteranen nicht mehr die von den Schlachtfeldern in Flandern sind, sondern junge Menschen, die noch einen großen Batzen ihres Lebens vor sich haben, bin ich nachdenklich – aber auch dankbar. Dankbar dafür, dass sie manchmal einen kleinen schmerzhaften Einblick in ihre Gedankenwelt geben. Dankbar für jeden Einzelnen, der gesund nach Hause kommt. Und für jeden, dessen Ehe das aushält, dessen Familie nicht in einem Land weit weg zerbricht. Auch weil die Frauen zu Hause manchmal die Zähne fest zusammenpressen.

Denn Armee ist nicht nur der schicke Typ in Uniform, der am Ende des Films das Mädchen kriegt. Soldaten sind auch (nur) Menschen.

Trauer um Peter Struck

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Einzelplan 14 trauert um unseren ehemaligen Bundesminister der Verteidigung Peter Struck. Ich hatte das Glück, ihn als einen sehr menschlichen und offenen Politiker kennen zu lernen. Meine Gedanken und Gebete sind in diesen schweren Stunden bei seiner Familie, seinen Freunden und Wegbegleitern.

Die Bundeswehr wird 57.

Am 12. November 1955, heute vor 57 Jahren, wurden die ersten 101 Freiwilligen der Bundeswehr in Bonn vereidigt. Es waren 95 Offiziere und sechs Unteroffiziere, die von Verteidigungsminister Theodor Blank ihre Ernennungsurkunde erhielten.

Der 12. November ist inzwischen auch der (noch) inoffizielle Tag der Solidarität für die Bundeswehr. Gelegenheit für Einzelplan 14, unseren Soldatinnen und Soldaten für ihren Einsatz zu danken und ihnen eine gesunde und baldige Heimwehr zu wünschen.

Krieg, Frieden und Stolz. Ein Besuch des Canadian War Museum.

Was ist Krieg?

Das Canadian War Museum/Musée canadien de la guerre in der kanadischen Haupstadt Ottawa ist mehr als nur ein militärhistorisches Zeugnis Kanadas.

Es ist eine Mahnung, wie schrecklich Krieg ist und thematisiert Verwundung, gefallene Soldaten, Kriegsgefangenschaft und PTBS. Es berichtet von Angst, Mut, Menschlichkeit und Überleben. Aber auch Brutalität, Waffen, Familie und Hass werden nicht verschwiegen. Das Museum würdigt die Opfer, die kanadische Soldaten und ihre Familien gebracht haben und bis heute bringen. Es feiert und erinnert an glanzvolle Stunden in der kanadischen Militärgeschichte und an schwarze Kapitel der Schande dieses Landes. Kanadier sollen sich daran erinnern, wie Kriege die Geschichte des Landes geprägt haben und sie sollen diese Geschichte teilen.

Das Museum besteht aus begehbaren bzw. erlebbaren Exponaten, Audio- und Videobeispielen und aus Einzelschicksalen (und ihren Einsatzmedaillen), die stellvertretend für viele stehen.

Die ersten Kriege

Das Museum ist in fünf Abschnitte unterteilt. Der Besuch beginnt mit den ersten gewaltsamen Handlungen zwischen Menschen auf kanadischem Boden vor etwa 5000 Jahren bis zum Jahr 1885.

Darauf folgten die Burenkriege in Südafrika („For Crown and Country“), in denen mehr als 7000 Kanadier auf Seiten des britischen Empire kämpften.

Kanada hat erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Kontrolle über seine Landesverteidigung übernommen. Der Wille, größere Verantwortung dafür zu übernehmen, zeigt sich unter anderem darin, dass zu dieser Zeit Waffenfabriken gebaut wurden, die Marine gegründet wurde, Kadetten ausgebildet wurden und ein „Nationalgewehr“ massenproduziert wurde.

Der Erste Weltkrieg

Als der Erste Weltkrieg ausbrach, waren insbesondere Kanadier mit britischer Herkunft euphorisch. Viele meldeten sich freiwillig, angezogen vom Empire, Abenteuerlust und Arbeitslosigkeit. Sie gingen davon aus, zu Weihnachten wieder zu Hause zu sein.

Private Harold Peat schrieb:

Men are waving, women are cheering, weeping has yet to come.

Die kanadischen Soldaten, die an der Seite britischer Soldaten kämpften, wurden mit der so genannten Ross Rifle ausgestattet. Ein Scharfschützengewehr, das unter idealen Bedingungen – wie auf einer Schießbahn – sehr gut und präzise funktionierte. In den Schützengräben blockierte das Gewehr jedoch immer wieder durch Schmutz und durch die Hitze unter Schnellfeuer. Außerdem war die britische Munition manchmal einen Bruchteil größer als die kanadische Munition und blieb in der Waffe hängen. Etliche Soldaten verloren auf diese Weise ihr Leben. Kanadische Frontsoldaten sagten über die Ross Rifle, dass sie nur als Knüppel nützlich sei und gingen dazu über, die Lee-Enfields gefallener Briten einzusammeln, da diese besser funktionierten.

Die Kanadier zu Hause waren schockiert angesichts gefallener Soldaten und Kriegsverbrechen und waren entschlossen, bis zum bitteren Ende gegen Deutschland zu kämpfen. Die Regierung beschloss, 8579 Immigranten deutscher, österreichisch-ungarischer und ukrainischer Herkunft in Arbeitslagern zu internieren, da sie als Sicherheitsrisiko galten und es wiederholt Gerüchte um geplante Revolten gab. Etwas ähnliches sollte sich im Zweiten Weltkrieg mit japanischen Einwanderern wiederholen, ein Kapitel in ihrer Geschichte, auf das Kanadier nicht stolz sind.

An der Heimatfront entschlossen sich viele Kanadier, den Krieg in der Ferne durch patriotische bzw. wohltätige Arbeit zu unterstützen:

Supporting the Boys' Families Der so genannte Canadian Patriotic Fund, von dem dieses Poster stammt, sammelte Geld um die Familien von Soldaten im Einsatz zu unterstützen. Sie haben $47 Millionen aufgebracht. In den meisten Orten gab es Aktionen unter dem Motto „do your bit“, in denen Frauen Pullover und Socken für die Soldaten gestrickt haben, gebacken und Briefe geschrieben haben.

Those of us who cannot fight can still do our bit knitting sweaters and socks, baking, writing letters. Anything the boys need.

Einsatzrealität hautnah, Kriegszitterer und Veteranen

Nach der Simulation eines Gasangriffs, bei denen das „Gas“ mir die Sicht nimmt, laufe ich durch einen Schützengraben. Der Raum ist klein und dunkel, ich kann kaum etwas sehen, höre nur Schüsse und Explosionen. Eine unglaublich bedrückende Atmosphäre.

Schützengraben 1Schützengräben 2

Die realistische Darstellung setzt sich mit der Schlacht von Passchendaele fort: PasschendaelePasschendaele 2

und verschweigt auch Themen wie shell shock oder „Kriegszitterer“, wie sie im Ersten Weltkrieg noch hießen, nicht. Das Museum zeigt bewegende Videos von Soldaten mit einer solchen Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS).

Nach dem Ersten Weltkrieg kehrten kanadische Soldaten zurück nach Hause, in ein Land, das „auf Helden vorbereitet“ sein sollte – aber nicht war. Die schwache Wirtschaft ließ nicht zu, dass die Veteranen so versorgt wurden, wie sie es verdient hätten. Als die Veteranen sich für Unterstützung durch die Regierung einsetzten, bekamen sie finanzielle Unterstützung und Grundstücke. Davon profitierten nicht alle – etliche wurden in Krankenhäuser abgeschoben oder mussten von ihren Familien versorgt werden.

Der Zweite Weltkrieg

Das vermutlich umstrittenste Exponat im gesamten Museum ist eine der sieben Staatskarossen (und die vermutlich letzte noch existierende) von Adolf Hitler:

Hitlers Staatskarosse

Das Museum hatte überlegt, das Auto zu verkaufen, sich letztendlich aber gegen einen Verkauf entschieden, weil man nicht hätte kontrollieren können, an wen das Auto letztlich geht.

Mit der Staatskarosse beginnt die Ausstellung zum Zweiten Weltkrieg.

Anders als noch im Ersten Weltkrieg bedeutete die britische Kriegserklärung nicht automatisch eine Teilnahme Kanadas am Krieg. Nach einer kurzen Debatte im Parlament erklärte Kanada Deutschland am 10. September 1939 ebenfalls den Krieg.

Erneut sollte sich das dunkle Kapitel der Internierung von Immigranten wiederholen. Verängstigt durch die frühen Siege Japans und mit der Angst einer japanischen Revolte im westkanadischen British Columbia siedelte die kanadische Regierung aufgrund öffentlicher und politischer Forderungen knapp 21000 japanische Einwanderer um.

Brave men shall not die because I have faltered

Erneut hatte Kanada eine starke Heimatfront, die auch Kinder mit einbezog. Sie suchten unter anderem nach Materialien wie Metall oder Papier, die wiederverwendet werden sollten. Darüber hinaus wurden sie auf Postern aufgefordert, im Haushalt zu helfen, um ihre Eltern zu entlasten, damit diese in Munitionsfabriken oder der Armee den Kriegsanstrengungen dienen konnten.

Veteranen wurden aufgefordert, erneut für ihr Land zu kämpfen: Rekrutierung von Veteranen

Welcome Home Daddy

Als die kanadischen Soldaten in ihre Heimat zurückkehrten, war Kanada tatsächlich ein Land, das „auf Helden vorbereitet“ Welcome Home Boyswar – anders als nach Ende des Ersten Weltkriegs. Kanada war nach Kriegsende ein vereintes Land, das eine wirtschaftliche und internationale Macht darstellte. So war das so genannte „Welcome Home“ Programm möglich, das Kriegsveteranen eine Versorgung und einen geordneten Übergang in ein ziviles Leben ermöglichen sollte. Von den 650000 Veteranen, die 1946 auf den Arbeitsmarkt kamen, fanden 95% innerhalb von 15 Monaten eine Stelle.

Der Kalte Krieg, Peacekeeping und kanadische Verteidigungspolitik heute

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs haben kanadische Soldaten in Korea, im Golfkrieg, im Kosovo und in Afghanistan gekämpft. Verteidigungspolitisch ist Kanada heute hauptsächlich als Peacekeeping Nation bekannt, etwa auf Zypern, im Nahen Osten, im Sudan und in Ruanda – um nur einige zu nennen.

Kanadische Soldaten sind heute unter anderem im Kongo, im Sudan und in Darfur, aber auch in Afghanistan – noch. Kanada hat seinen Kampfeinsatz in der Provinz Kandahar im Dezember 2011 offiziell beendet und unterstützt seine Bündnispartner bis 2014 in Kabul. Bis Dezember 2012 unterstützt Kanada außerdem die Operation Active Endeavour im Mittelmeer.

Fazit: Das Canadian War Museum zeigt ein realistisches Bild vom Krieg. Es glorifiziert nicht und spricht Themen wie Verwundung, gefallene Soldaten und PTBS an. Ein bewegender Besuch, der zum Nachdenken anregt.