Kongo. Ein Filmabend im ZDF.

Nachdem er bereits vor etlichen Tagen angekündigt wurde, lief gestern der Fernsehfilm der Woche „Kongo“ im ZDF. Völlig anders als erwartet, sahen „nur“ etwa 3,96 Millionen Zuschauer den vorab hochgelobten Film – etwa die Hälfte derer, die stattdessen „Wer wird Millionär“ einschalteten. Ich war eine davon.

Die Geschichte: Oberleutnant Nicole Ziegler fliegt in den Kongo, da sich ein Bundeswehrsoldat offenbar das Leben genommen hat. Sie soll die Ermittlungen leiten und den Fall aufklären. Vor Ort entdeckt sie ein Video, in dem offenbar deutsche Soldaten ein kongolesisches Kind töten. Sie will herausfinden, was wirklich passiert ist und bekommt Zweifel daran, dass sich der Soldat René Wenz das Leben genommen hat.

Streckenweise erinnerte mich das Drama stark an „Shooting Dogs“ von Michael Caton-Jones, dann wieder flackerte ein Hauch von Joseph Conrads Novelle „Herz der Finsternis“ über den Bildschirm, teilweise sah ich auch „Black Hawn Down“.

Der Film wurde gestern im Morgenmagazin noch einmal angekündigt, dabei war auch Oberleutnant Nadine Hübner, die als Vorlage für Feldjäger Nicole Ziegler in dem fiktiven Film diente. Sie meinte im Gespräch, dass die Bundeswehr im Film gut wegkommt. Das ist sicher Auslegungssache, ganz so positiv fand ich das Bild nicht – aber es sollte ja auch kein Werbefilm für die Bundeswehr sein.

Mich erinnerte das Drama nicht nur an Filme über Ruanda oder Somalia sondern auch an zwei Filme im deutschen Fernsehen, die sich mit der Bundeswehr beschäftigten. Einerseits das sicherlich sehr wichtige Drama „Willkommen zu Hause“ in dem PTBS und der Afghanistaneinsatz thematisiert wurden und andererseits der Polizeiruf 110 „Klick gemacht“ vom November 2009, in dem es auch um Traumatisierung ging, und der ebenfalls vor dem Hintergrund einer (ebenso erfolglosen) Feldjägerermittlung spielte.

Die Parallelen wurden noch deutlicher, als sowohl im Polizeiruf als auch in „Kongo“ eine Frau ermittelte, die von ihren Vorgesetzten nicht ernst genommen wurde. Möglicherweise haben die öffentlich-rechtlichen Sender ein Problem damit, Frauen in der Bundeswehr zu akzeptieren – was aber auch an der häufig bemängelten Tatsache liegen kann, dass so wenige der Autoren gedient haben. Kaum dass Oberleutnant Ziegler im Kongo angekommen ist, will der Autor sie offenbar in eine Liebesgeschichte mit Oberst Lonsky, dem Kommandeur der Truppe, verwickeln. Die einzige andere Bundeswehrangehörige gehört zum Sanitätsdienst und sträubt sich deutlich weniger dagegen, ihre männlichen Kameraden kennen zu lernen. Vielleicht sollte das aber auch ihre gleichgültige Art nach mehreren Auslandseinsätzen symbolisieren?

Es gibt in der Truppe außer Ziegler zwei Soldaten die deutlich sensibler charakterisiert sind, einer ist ihr Ermittlungspartner, der andere ist Oberst Lonsky – zumindest will uns das offenbar seine Wahl der Literatur glauben lassen.

Wieso diese Klischees bedient werden, bleibt unklar. Deutlich ist, dass Ziegler ihre Arbeit gut machen will – was keineswegs daran scheitert, dass sie eine Frau ist, sondern vielmehr daran, dass ihre Ermittlungen der Moral der Truppe in die Quere kommen könnten. Szenenweise zeigt das ZDF jedoch auch, dass Frauen in Auslandseinsätzen durchaus Vorteile bringen, etwa wenn Ziegler zusammen mit der kongolesischen Sprachmittlerin Frauen vernimmt. Das ist möglicherweise ein Fingerzeig auf Afghanistan, wo Frauen immer stärker für Vermittlungs- und Informationsbeschaffungsaufgaben mit Frauen und Kindern eingesetzt werden, da dies Männern aufgrund der kulturellen und religiösen Gegebenheiten verwehrt ist.

Vieles im Drama ist realistisch – die Hilflosigkeit der Soldaten, ihr offensichtlich zu schwaches Mandat, auch ihre schlechte Ausrüstung werden thematisiert. Parallelen zu Afghanistan sind nicht zu leugnen. Völlig unpassend und mit Sicherheit realitätsfern war jedoch die Szene, als Ziegler die Frau von René Wenz anruft um ihr noch ein paar Fragen zu ihrem Mann zu stellen, diese jedoch den Anrufbeantworter noch nicht abgehört hat, und daher noch nichts vom Tod ihres Mannes weiß. Sollte sich in den letzten Monaten nichts grundlegend geändert haben, werden Todesnachrichten noch immer persönlich überbracht – und nicht (nie!) auf dem Anrufbeantworter.

Fazit: Ein interessanter Film, dessen Ende für mich etwas überstürzt wirkte und der in Sachen Einschaltquoten offenbar am Desinteresse der Deutschen an ihrer Bundeswehr gescheitert ist. Schade.

Wer „Kongo“ gestern verpasst hat, kann ihn noch bis zum 25. Oktober in der ZDF-Mediathek sehen.

Bildquelle: Rocafort8. Der Fernseher. Wikimedia.

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