WikiLeaks – Spiegel-Berichterstattung (schon wieder) mangelhaft

Afghanistan

Im Zusammenhang mit der Veröffentlichung der militärischen Berichte auf WikiLeaks gibt es die Stimmen, die das alles ganz toll finden, denn endlich (so meint man zu lesen) kommen die ganz schlimmen Machenschaften des bösen blutrünstigen Militärs ans Licht – und die, die das differenzierter sehen und sich auch Sorgen um die Soldaten und namentlich genannten Informanten machen.

Angeblich wurden die Daten wochenlang von Journalisten geprüft, und besonders sensible Informationen vorerst nicht veröffentlicht. Abgesehen davon, dass ich mir nur schwer vorstellen kann, dass es plötzlich unendlich viele Journalisten in Deutschland gibt, die Militärspezialisten sind, bewundere ich das Zeitmanagement. Denn um die 90.000 Dokumente zu lesen, bräuchte man nach einer Schätzung etwa ein Dreivierteljahr. Wenn man sich die Dokumente ansieht, wird aber auch klar, dass der Großteil der Bevölkerung damit gar nichts anfangen können wird. Denn die Berichte sind schließlich vom Militär verfasst – und das in der typischen eigenen Sprache mit den eigenen Termini und Abkürzungen.

Wie sollen die Journalisten da ihre Entscheidung getroffen haben? Darüber hinaus – wie konnte es dann passieren, dass die Namen von etlichen Informanten veröffentlicht werden?

Wenn man sich die Spiegel-Berichterstattung zu Afghanistan, zur Bundeswehr oder auch zum Verteidigungsminister zu Guttenberg ansieht, fällt schnell auf, dass der Spiegel sich offensichtlich von der Vorgabe einer unparteiischen Berichterstattung verabschiedet hat. Selten wurden so schlecht recherchierte und unglaublich parteiische Berichte gegen die Bundeswehr veröffentlicht wie dort.

Dabei scheinen überdurchschnittlich viele Journalisten an einem Artikel zu basteln. Ein Beispiel dafür ist der Artikel „Ein deutsches Verbrechen“, an dem sage und schreibe 11 (!) Menschen gearbeitet haben. Dass sich da eine Susanne Koelbl trotz besseren Wissens nicht durchsetzen kann, ist klar. Denn sie berichtete schon vor Jahren von der Talibanhochburg Chahar Darreh, schrieb auch ein Buch mit dem Titel Geliebtes, dunkles Land: Menschen und Mächte in Afghanistan. Dennoch lässt sie es offensichtlich zu, dass die Situation in Afghanistan verzerrt wird, dass die Sicherheitslage nicht adäquat dargestellt wird, dass Dinge aus dem Kontext gerissen werden.

Es ist fraglich, was der Laie mit den veröffentlichten Daten auf WikiLeaks überhaupt anfangen kann. Die meisten Leser werden mit den militärischen Kürzeln und Termini nicht unbedingt vertraut sein.

Ich wage zu bezweifeln, dass diese Veröffentlichungen nun zu mehr Transparenz führen, da sie einfach einmal unparteiisch erklärt werden müssten um das zu erreichen.

Mit einer so voreingenommenen Berichterstattung über die Dokumente wie man sie also beim Spiegel lesen kann wird jedenfalls nicht für mehr Transparenz und Ehrlichkeit gesorgt. Damit, dass kaum jemand über den Hintergrund der Verantwortlichen bei WikiLeaks berichtet, übrigens auch nicht.

Ich halte die WikiLeaks-Veröffentlichung nicht für zielführend in Sachen Transparenz und Ehrlichkeit, da der durchschnittliche Deutsche die Daten nicht deuten können wird.

Wesentlich interessanter und auch für Laien verständlicher ist hingegen die Liste mit Sicherheitsvorfällen in Nord-Afghanistan, die der ehemalige MdB Winfried Nachtwei zusammengestellt hat und vor wenigen Tagen auf seiner Website veröffentlichte.

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