Lest we forget – Gedenken und Trauerkultur made in Germany

Quelle: Soil-net.com

Wie in jedem Jahr wurde diese Woche am letzten Montag im Mai in den USA wieder der Memorial Day begangen, um den Soldaten zu gedenken, die in den Kriegen gefallen sind. Die Commonwealth-Länder erinnern jährlich am Remembrance Day, dem 11. November, an ihre Soldaten. Auch Belgien und Frankreich nehmen den 11. November zum Anlass, den toten Soldaten zu gedenken.

In Deutschland gibt es abseits von Bundeswehrangehörigen, Freunden von Soldaten oder denen, die beruflich mit Sicherheit und Verteidigung zu tun haben, sowie Politikern keine wirkliche Trauerkultur um gefallene Soldaten. Mit dem Ehrenmal am Verteidigungsmuseum in Berlin soll eine solche ein Stück weit geschaffen werden.

Der Volkstrauertag (dieses Jahr am 14. November) existiert zwar, doch scheint er kaum Bedeutung zu haben. Nachdem die Nationalsozialisten diesen als im März begangenen Heldengedenktag instrumentalisierten, wurde der Volkstrauertag in den 1950er Jahren in den November verlegt. Doch bis heute ist aus dem Volkstrauertag im November kein nationaler Feiertag geworden, an dem das ganze Land tatsächlich inne hält.

Wie bei unseren NATO-Partnern gibt es auch an unserem Gedenktag eine zentrale Gedenkstunde. Diese findet im Bundestag mit Teilnehmern aus der Regierung, Abgeordneten und des Diplomatischen Korps statt. Dabei hält der Bundespräsident eine Rede und die Nationalhymne wird gespielt. Auch auf Landes- und Kommunalebene gibt es Gedenkstunden mit Kranzniederlegungen.

Aber ist das ein Tag für das Volk? Ein Tag mit dem Volk?

In Kanada ist es beispielsweise so, dass bereits etliche Wochen vor dem Remembrance Day Poppies, künstliche Mohnblüten aus Pappe oder Filz mit Anstecknadeln (s.o.), von den Veteranenverbänden verkauft werden. Diese werden dann bis zum 11. November als Zeichen der Solidarität mit den Soldaten im Einsatz, den verwundeten und gefallenen Soldaten und deren Familien getragen. Die Mohnblume ist ein Symbol, das an die blutgeröteten Felder in Flandern erinnern soll, die auch im Gedicht In Flanders Fields von John McCrae, immer wieder vorkommen. Bei Erinnerungszeremonien, wie sie am 11. November um 11 Uhr unter anderem in Schulen abgehalten werden, wird dieses Gedicht häufig gelesen.

Quelle: Wikimedia

Reinhard Führer, der Präsident des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. – dem offiziellen Veranstalter des Volkstrauertages – wird zum Volkstrauertag wie folgt zitiert:

„Der Volkstrauertag ist ein bedeutender Bestandteil unserer Erinnerungskultur. Es ist ein Tag des Innehaltens, des Gedenkens an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft sowie ein Tag der Solidarität mit ihren Familien. Er konfrontiert uns mit der Vergangenheit und dem Auftrag, das Vermächtnis der Opfer zu erfüllen, indem wir uns nachhaltig für ein friedliches Zusammenleben einsetzen.“

Durch die Aktion Gelbes Band wird die Solidarität mit den Soldaten im Einsatz und ihren Familien zu Hause stärker als je zuvor öffentlich gelebt. Vielleicht wird der diesjährige Volkstrauertag auch aktiver begangen als bisher. Unsere Soldaten hätten es allemal verdient.

5 Antworten zu “Lest we forget – Gedenken und Trauerkultur made in Germany

  1. In diesem Zusammenhang weise ich gerne auf die Seite http://www.soldatengedenken.de hin. Torsten Heinrich organisiert in Würzburg Schweigemärsche zum Gedenken an unsere gefallenen Soldaten. Dafür hat er unseren Respekt und unsere Anerkennung – aber auch Unterstützung und Nachahmungsversuche in anderen deutschen Städten verdient.

  2. Rang und Namen hat dazu auch einen interessanten Artikel geschrieben – im Zusammenhang mit dem Film „The Messenger“. Zu lesen hier: http://blog.rhein-zeitung.de/?p=8991

  3. Was wollen Sie von einer Gesellschaft erwarten, die das Ehrenmal für gefallene Soldaten in einer Kaserne „versteckt“ und Erkennungsmarken als sinnstiftendes Zeichen verwendet? Das Peinliche daran ist, dass sich niemand darüber aufregt und dass dem unfähigsten Verteidigungsminister, den dieses Land je hatte, niemand in die Parade gefahren ist und verhindert hat, was jetzt zu ertragen ist.

    • Das passt doch aber zu Dr. Jung, der sich ja in seiner gesamten Zeit als Verteidigungsminister vor sich, der Truppe und vor allem der Wahrheit versteckt hat. Ich denke dass wir mit KTzG schon große Fortschritte gemacht haben, was die Akzeptanz der Soldaten angeht und auch in Richtung einer Erklärung was die Bundeswehr in Afghanistan tut. Dennoch verstehe ich nicht, was er derzeit plant. Die Wehrpflicht „auszusetzen“ halte ich für komplett falsch, das Heer zu halbieren erscheint mir auch nicht die beste Lösung.

      Hoffentlich denkt er sich dabei etwas, was sich mir einfach noch nicht erschlossen hat.

      Davon abgesehen ist das Ehrenmal ja öffentlich zugänglich und relativ zentral gelegen – und eine Kaserne ist das BMVg ja nicht.

  4. Pingback: Volkstrauertag 2010 « Deutsche Sicherheits- und Verteidigungspolitik

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