Know your enemy

John Steinbeck hat gesagt:

Es ist besser, sich mit zuverlässigen Feinden zu umgeben, als mit unzuverlässigen Freunden.

In diesem Tagen weiß man gar nicht mehr, wer genau der eigentliche Feind der Bundeswehr ist. Ihre Verteidiger oder gar Freunde kann man leider an wenigen Fingern abzählen. Aber deutsche Soldaten kämpfen gleichzeitig gegen Taliban in Afghanistan und wehren sich gegen Anschuldigungen in Deutschland. Dabei geht es sowohl um eine legitime Debatte darüber, ob und wann ein Truppenabzug sinnvoll wäre als auch um äußerst geschmacklose und verachtenswerte Aktionen wie die vom so genannten Büro für antimilitaristische Maßnahmen (BamM), deren Mitglieder am Ehrenmal feiern wollen, wenn deutsche Soldaten fallen. (Dazu ist es am Karfreitag jedoch scheinbar nicht gekommen.)

Wir sollten nicht vergessen, dass die Provinz Chahar Darreh noch immer eine Talibanhochburg ist. Der feige Anschlag auf Bundeswehrsoldaten am Karfreitag macht uns das erneut auf grausame Art bewusst. In diesem Zusammenhang kommt in Deutschland wieder Unverständnis darüber auf, dass deutsche Soldaten nicht adäquat ausgestattet sind und in diesem Zusammenhang auch nicht ausreichend ausgebildet worden sind. Wenn man die Berichte des Wehrbeauftragten der letzten Jahre liest, kann man nicht ignorieren, dass den Bundeswehrsoldaten in Afghanistan seit Jahren adäquates Material fehlt. Es ist unbegreiflich, wie lange allein die Bereitstellung gepanzerter Fahrzeuge gedauert hat. Mit der längst überfälligen Klarstellung durch den IBuK, dass es sich in Afghanistan um „kriegsähnliche Zustände“ beziehungsweise inzwischen auch „Krieg“ (zumindest umgangssprachlich, wenn auch nicht völkerrechtlich) handelt, sollten diese Zustände ein Ende finden. Wenn die Soldaten durch diese klarere Sprache endlich angemessen ausgerüstet werden, so geht diese Feststellung weit darüber hinaus, dass sich die Bundeswehr endlich auch von ihrem Verteidigungsminister ernst genommen fühlt – was unter Dr. Jung und seinem ewigen „Stabilisierungseinsatz“ undenkbar war.

Die Vorwürfe an die Soldaten im Kontext der gefallenen und verwundeten Soldaten, sie haben ja gewusst, dass ihr Beruf gefährlich sei, gehen weiter. Zwischen den Zeilen kann man da auch immer wieder „selber schuld“ lesen. Es scheint also, als würde die Bundeswehr weiterhin mit ihren „zuverlässigen Feinden“ rechnen können. Bleibt zu hoffen, dass es nun stärker zu einem Umdenken in der Politik (auf die Öffentlichkeit wagt man ja kaum zu hoffen) kommt. Man kann nicht einerseits einen Truppenabzug fordern und planen, aber andererseits keine Voraussetzungen dafür schaffen. Ohne genügend Polizeiausbilder und ohne die nötige Ausrüstung wird es nicht möglich sein, Afghanistan erhobenen Hauptes und ruhigen Gewissens zu verlassen.

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