Monatsarchiv: März 2010

Flecktarn ist nicht immer olivgrün oder Willkommen in Testeronien

„We have women in the military, but they don’t put us in the front lines. They don’t know if we can fight or if we can kill. I think we can. All the general has to do is walk over to the women and say, ‚You see the enemy over there? They say you look fat in those uniforms.'“
— Elayne Boosler, amerikanische Comedienne

In diesem Zusammenhang sollte man angelehnt an die Schriftstellerin Rahel Varnhagen vielleicht einmal fragen

Hat die Verteidigung etwa (k)ein weibliches Geschlecht?

In den letzten Jahren wurde viel über Frauen und Kriege geschrieben. Dabei ging es jedoch meist gar nicht um Frauen als Kombattanten, sondern vielmehr um Frauen als Opfer des Krieges. Herfried Münkler von der Humboldt-Universität zu Berlin hat in seinem Buch Die neuen Kriege darauf hingewiesen, dass es besonders bei Kindersoldaten wie in Sierra Leone oder Birma zu einer starken Resexualisierung des Krieges gekommen ist. Er zeigt eine verstärkte Brutalität des Krieges auf, denn die Erfüllung sexueller Bedürfnisse lässt sich für die jugendlichen Kämpfer durch ihre Bewaffnung wesentlich schneller und einfacher erreichen. Vergewaltigungen sind nicht mehr „nur“ eine Begleiterscheinung des Krieges – sie sind inzwischen leider eine „normale Waffe“ geworden. Daneben gibt es auch Fälle von sexuellen Übergriffen innerhalb der Truppe – in den USA wurde deshalb endlich eine Task-Force „sexuelle Nötigung in den Streitkräften“ innerhalb des Verteidigungsausschusses gegründet, die sich damit beschäftigt. Dann wird sich hoffentlich bald etwas ändern. Es ist ja kein Zustand, dass US-Soldatinnen im Einsatz nach 19 Uhr nichts mehr trinken aus Angst nachts auf die Toilette zu müssen und dort vergewaltigt zu werden!

Seit 10 Jahren dürfen Frauen auch in der Bundeswehr Dienst an der Waffe leisten. Dass es dabei Vorbehalte ihrer männlichen Kameraden gab und gibt ist bekannt und vielleicht noch nicht einmal besonders verwunderlich. Dennoch sind inzwischen fast 17.000 Soldatinnen bei der Bundeswehr. Dass sie auch in Auslandseinsätze gehen ist für sie selbstverständlich und gehört eben dazu. Derzeit sind über 380 Frauen im Einsatz.

Trotz dieser Fortschritte sind Frauen noch immer nicht komplett in der Sicherheits- und Verteidigungspolitik angekommen. Noch immer fühlen sich Frauen bei Podiumsdiskussionen, sicherheitspolitischen Veranstaltungen oder Wehrkongressen als Exoten. Es kann natürlich auch von Vorteil sein, wenn die 98 Prozent Männer einem selbst erstmal skeptisch gegenüber stehen und man in jedem zweiten Gesicht lesen kann „Was will die denn hier?“. Wenn sich dann aber herausstellt, dass man (trotz weiblichen Geschlechts) auch nicht bis eben auf Bäumen gelebt hat und sich tatsächlich auf dem Gebiet der Verteidigung auskennt, wird das auch anerkannt. Dann kann es auch mal zu Komplimenten wie „Weisst Du, wir [fünf Reserveoffiziere] dachten ja eigentlich alle, dass Du Offizier bist. Weil Du Dich so gut auskennst.“ Und das ist dann auch schön.

Durch Vereine wie Women in International Security Deutschland e.V., einer Schwesterorganisation von WIIS USA, ist klar, dass es auch in Deutschland immer mehr Forscherinnen und Entscheidungsträgerinnen auf diesem Gebiet gibt. Damit sollten Sätze wie „Sehr geehrte Frau …. Sehr geehrte Herren.“ endgültig der Vergangenheit angehören.

Literaturempfehlungen:

Münkler, Herfried. (2004). Die neuen Kriege. Reinbek: Rowohlt Verlag GmbH. oder Berlin: Bundeszentrale für Politische Bildung.
(Auch wenn er nicht den Begriff der neuen Kriege geprägt hat, ist er sicherlich ihr bekanntester Forscher.)

Gibbs, Nancy. (08. März 2010) Sexual Assaults on Female Soldiers: Don’t Ask, Don’t Tell. Time.

Goldenberg, Suzanne. (25. Oktober 2004). ‚I reported the rape within 30 minutes – then watched my career implode‘ The Guardian.

Vielleicht auch interessant:
Goldenstein, Joshua S. (2001). War and gender. Cambridge: Cambridge University Press.

With glowing hearts/Des plus brillants exploits – die XXI. Olympischen Winterspiele in Vancouver und die Sportförderung der Bundeswehr

Nach 17 Tagen ist es nun vorbei. Es wird komisch sein, abends den Fernseher anzustellen und nicht stundenlang Wintersport und Schnee in der geheizten Wohnung bei warmem Tee zu empfangen. Noch nicht einmal Curling…

Mit einem atemberaubenden Finale auf dem Weg zur Goldmedaille in ihrem Nationalsport – der einzigen Medaille die wirklich zählt – hat sich Kanada als wunderbarer Gastgeber, als offenes Land und als Heimat herzlicher Menschen gezeigt.

Quelle: http://www.25stanley.com/storage/vancouver-2010-red-mittens.jpg

Wenn Teile der Abschlusszeremonie vielleicht etwas fragwürdig gewesen sein mögen (es sei etwa an die Damen im doch recht kurzen Pseudo-Mountiedress erinnert), so wird die sehr kanadische und bewegende Eröffnungszeremonie dem ein oder anderen dafür vielleicht länger in Erinnerung bleiben.

Die Frage, ob und wie München 2018 da mithalten kann bzw. könnte steht ebenso im Raum. Und da es nur natürlich ist, dass ein Gastgeberland den Medaillenspiegel anführen will (wie Kanada zumindest nach europäischer Zählweise im eigenen Land), gilt es auch über die deutschen Sportsoldaten nachzudenken.

Bei den XXI. Olympischen Winterspielen in Kanada gab es 30 deutsche Medaillen (10 mal Gold, 13 mal Silver und 7 mal Bronze). 15 dieser Medaillen wurden von Sportsoldaten gewonnen. Die Bundeswehr ist einer der größten Förderer des Hochleistungssports in der Bundesrepublik Deutschland. Und obwohl manch einer im ersten Moment dabei erst einmal an die logisch erscheinende Disziplin Biathlon denken mag, ist es doch erstaunlich, dass die Bundeswehr in Vancouver sogar einen Snowboarder vorzuweisen hat. Unteroffizier Konstantin Schad aus Rosenheim schied leider schon vor dem Finale im Boardercross aus, aber vielleicht zeigt eine so moderne Sportart ja trotzdem, dass die Bundeswehr zukunftsfähig ist?

63 Sportsoldaten haben in diesem Jahr in Vancouver in den verschiedensten Disziplinen teilgenommen und gewonnen.

Dazu gehören längst etablierte Namen wie die von Hauptfeldwebel Ronny Ackermann, Stabsunteroffizier Daniela Anschütz-Thoms, Unteroffizier Tino Edelmann oder Hauptfeldwebel Kati Wilhelm.

Um bei der Bundeswehr gefördert zu werden, muss der Sportler zuerst einen Antrag zur Aufnahme in eine Sportfördergruppe stellen. Nach Zustimmung des zuständigen Spitzenverbandes und des Deutschen Olympischen Sportbundes erfolgt die gezielte Einberufung zum Wehrdienst. Frauen können nur infolge freiwilliger Verpflichtung in die Sportförderung der Bundeswehr aufgenommen werden – meist erfolgt dann eine Verpflichtung als Soldaten auf Zeit für zwei Jahre.

Mit der Sportförderung soll deutschen Spitzensportlern die Chance international wettbewerbsfähig zu sein gegeben werden. Dazu gibt es die verschiedenen Sportfördergruppen, von denen Oberhof vielleicht die bekannteste ist:

Quelle: http://www.bundeswehr.de/portal/a/bwde/mediabild?yw_contentURL=/C1256EF40036B05B/W27Y6KSX963INFODE/content.jsp

Auch Sportsoldaten müssen eine militärische Grundausbildung von zwei Monaten machen. Danach setzt sich die Zeit in der Sportfördergruppe aus etwa 70 Prozent Sport und 30 Prozent militärischer Aus- und Weiterbildung als Soldat zusammen. Für Meisterschaften bzw. Spiele oder die Teilnahme am Training des Spitzenverbandes können Sportsoldaten erst nach absolvierter Grundausbildung vom Dienst befreit werden.

Durch die Bundeswehrsportförderung haben Sportler die Chance und die Zeit, sich in einem sozial abgesicherten Umfeld ungehindert auf das Training zu konzentrieren und so bestmöglich auf anstehende Wettkämpfe vorbereitet zu sein. Währenddessen wird der Sportler individuell fachlich durch den jeweiligen Verband oder die Leistungszentren des Deutschen Sports (hier sind besonders die Olympiastützpunkte hervorzuheben) betreut.

Bleibt nur zu sagen – thank you Canada, eh! Merci Canada!

Und bis in London in zwei Jahren.