Archiv der Kategorie: BMVg

Der Große Zapfenstreich für Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg

Gestern Abend fand mit etwa 450 geladenen Gästen die Verabschiedung von Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg auf dem Paradeplatz des Verteidigungsministeriums am zweiten Dienstsitz in Berlin mit den höchsten militärischen Ehren der Bundeswehr, dem Großen Zapfenstreich, statt.

Im Großen Zapfenstreich bekommt der Geehrte mit der Serenade die Möglichkeit, sich bis zu drei Stücke auszusuchen. Zu Guttenberg hatte sich den Marsch Großer Kurfürst, Deep Purples „Smoke on the Water“ und – als Bayer – den Marsch König Ludwig II gewünscht. In den Marsch wurde das für den Oberfranken passende Frankenlied eingeflochten. Möglicherweise war das die Idee des Dirigenten des Heeresmusikkorps, denn Oberstleutnant Volker Wörrlein kommt selbst aus Mittelfranken. Weiterlesen

IBuK zurückgetreten

Mit den Worten “Es ist der schmerzlichste Schritt meines Lebens” ist Karl-Theodor zu Guttenberg heute als IBuK zurückgetreten. Wird Thomas de Maizière sein Nachfolger als Bundesminister der Verteidigung?

Ergebnisse der Einzelplan 14-Umfrage zur Zukunft der Gorch Fock

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Die Berichterstattung um den Tod der Offizieranwärterin auf der Gorch Fock im November 2010 war und ist durch Vorverurteilungen und Mutmaßungen geprägt. Letzte Woche begann die Untersuchung der Umstände durch den Inspekteur der Marine, den Leiter der Rechtsabteilung, dem Amtschef des Marineamtes, Juristen des Bundesministeriums der Verteidigung und des Marineamtes und dem Havariebeauftragten der Marine. Darüber hinaus sind auch zwei Mitarbeiter aus dem Amt des Wehrbeauftragten vor Ort.

Da in den vergangenen Tagen immer wieder die Forderung laut wurde, dass die Gorch Fock, das Segelschulschiff der Marine, abgeschafft werden soll, hat Einzelplan 14 nachgefragt. Die einwöchige anonyme Umfrage mit der Möglichkeit, mehrere Standpunkte auszuwählen, bot bewusst provokative Antworten an.

Während die Ausbildung auf einem Segelschulschiff vielleicht mit der gelebten Realität auf einer Fregatte oder einem Uboot der Klasse 206 A nicht direkt vergleichbar ist, so sieht die Mehrheit der Umfrageteilnehmer die Bedeutung der Ausbildung auf der Gorch Fock darin, Selbstüberwindung, Mut und Kameradschaft zu lernen.

Danke für die rege Teilnahme!

“…ein deutlich sichtbares Zeichen unserer Anerkennung für den gefahrvollen und schwierigen Dienst unserer Soldatinnen und Soldaten”

Die Verleihung der ersten Einsatzmedaillen Gefecht

In einer bewegenden Feierstunde überreichte der Bundesminister der Verteidigung, Dr. Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg, im Stauffenbergsaal des Bundesministeriums der Verteidigung heute Soldaten und den Angehörigen gefallener Soldaten die neu gestifteten Einsatzmedaillen Stufe “Gefecht”, Ehrenkreuze der Bundeswehr für Tapferkeit sowie das Ehrenkreuz der Bundeswehr in Gold. Elf Einsatzmedaillen Gefecht wurden posthum den Familien gefallener Soldaten überreicht. Damit würdigte der Verteidigungsminister den Einsatz von insgesamt fünfzehn Bundeswehrsoldaten. Bereits vor vier Tagen hatte er den Angehörigen des gefallenen Hauptgefreiten Sergej Motz die erste Einsatzmedaille Gefecht überreicht.


©Bundeswehr/Jessica Leopold

Die Einsatzmedaille Gefecht
Die Einsatzmedaille der Stufe „Gefecht“ wurde rückwirkend zum 29. April 2010 vom Bundesminister der Verteidigung, Dr. Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg, gestiftet und am 12. November 2010 von Bundespräsident Christian Wulff genehmigt. Sie ehrt die Teilnahme an einem Gefecht unabhängig von der Anzahl der Einsatztage (anders als die bisherige Einsatzmedaille, die die Zahl der Einsatztage in den Stufen Bronze, Silber und Gold würdigt). Sie wird nach einmaliger Teilnahme an einem Gefecht oder dem Erleiden terroristischer oder militärischer Gewalt unter hoher persönlicher Gefährdung einmalig verliehen. Nach Ansicht des Ministers war es notwendig, die Einsatzmedaille Gefecht einzuführen, da er die bisherige Einsatzmedaille als nicht ausreichend empfand, um die Einsatzbedingungen der Soldatinnen und Soldaten insbesondere in Afghanistan angemessen zu würdigen.

Stärkere Anerkennung der Arbeit unserer Soldaten

In seiner Ansprache lobte der Minister heute zunächst den Einsatz der gefallenen Soldaten, die posthum ausgezeichnet wurden. Er forderte eine stärkere Anerkennung der Ausübung einer den Soldaten im Einsatz täglich abverlangten, gefährlichen und überaus wichtigen Pflicht, „von jedem Einzelnen von uns“ – insbesondere jedoch vom Dienstherren selbst. An dieser Stelle wies er auch darauf hin, dass seine Gedanken und Worte, die Verantwortung sowie seine Gebete für die Gefallenen, wie er sie den Angehörigen bereits vorher zum Ausdruck gebracht hatte, nicht mit dem Ende seines Amtes enden.

Die Auszeichnung begann mit den Ehrenkreuzen der Bundeswehr für Tapferkeit und den Einsatzmedaillen der Bundeswehr Gefecht für Hauptfeldwebel Mario Kunert, Hauptfeldwebel Philipp Oliver Pordzik, Hauptfeldwebel Ralf Rönckendorf und den Stabsgefreiten Maik Mutschke.

Der im Einsatz schwer verwundete Hauptfeldwebel Rönckendorf hatte am 09. April 2010 bei der Trauerfeier in Selsingen zum Minister gesagt, dass er dort sei, um seinen gefallenen Kameraden etwas zurückzugeben. Mit der Auszeichnung durch die Einsatzmedaillen gibt auch die Bundesrepublik Deutschland den Soldaten und ihren Angehörigen etwas zurück, wenn auch „im kleinsten, bescheidensten Rahmen“ – so zu Guttenberg.

Eine Geste der Anerkennung und Dankbarkeit

Die Einsatzmedaillen der Bundeswehr Gefecht, die Ehrenkreuze der Bundeswehr für Tapferkeit sowie das Ehrenkreuz der Bundeswehr in Gold händigte der Minister posthum den Angehörigen des am Karfreitag in Isa Khel gefallenen Hauptgefreiten Martin Kadir Augustyniak, des Stabsgefreiten Robert Hartert und des Hauptfeldwebels Nils Bruns aus.

Der Minister würdigte die Tapferkeit der gefallenen Soldaten, die „in vielerlei Hinsicht Vorbild für viele“ seien. Er schilderte die Situationen, die zu den tödlichen Verwundungen der Soldaten geführt haben und hob ihren besonderen Einsatz und ihre außergewöhnliche Tapferkeit auch unter schwersten Bedingungen hervor. Die Ehrenzeichen seien eine Geste der Anerkennung und Dankbarkeit, und es sei in diesem Zusammenhang auch wichtig, immer wieder auf die Realitäten des Soldatenberufes hinzuweisen.

Nicht vor der Öffentlichkeit verstecken

Auch im Rahmen der posthumen Verleihung der Einsatzmedaillen der Bundeswehr Gefecht an die Familien von
Oberstabsarzt Dr. med. Thomas Clemens Broer,
Hauptgefreiter Martin Brunn,
Hauptfeldwebel Marius Josef Dubnicki,
Stabsunteroffizier Josef Otto Kronawitter,
Hauptgefreiter Oleg Meiling,
Oberfeldwebel Florian Pauli,
Major Jörn Radloff und
Hauptgefreiter Alexander Schleiernick

sprach der Minister von der „schwierigen, schweren Stunde“, in der die Angehörigen zusammen gekommen sind, und in der ihnen „der unermessliche Verlust [ihrer Söhne, Brüder und Partner] wieder schmerzlich vor Augen geführt“ werde. Doch es sei wichtig, auch diese schwere Stunde nicht vor der Öffentlichkeit zu verstecken, denn die Auszeichnung mit den Ehrenzeichen erinnere auch an den Eid der Bundeswehrsoldatinnen und –soldaten, der Bundesrepublik Deutschland „treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“ – was den höchsten Preis, das eigene Leben, kosten kann. Die Mitglieder der Bundesregierung und des Deutschen Bundestages tragen Verantwortung für die Soldaten, zu der auch die notwendige Unterstützung Angehöriger gefallener und verwundeter Soldaten in dieser unendlich schweren Zeit gehört. Der Minister beendete daher die Aushändigung der Ehrenzeichen mit den Worten „…es gehört zu dieser Verantwortung, ein deutlich sichtbares Zeichen unserer Anerkennung für den gefahrvollen und schwierigen Dienst unserer Soldatinnen und Soldaten zu setzen. Denn diese Anerkennung haben sie verdient.“

Die ausgezeichneten Hauptfeldwebel Mario Kunert und Hauptfeldwebel Philipp Oliver Pordzik sagten nach der Veranstaltung, dass sie sich durch die Auszeichnung mit der Ehrenmedaille Gefecht endlich auch die Wertschätzung der Öffentlichkeit erhoffen. Für die Soldaten sind die Ehrenzeichen ein Signal der Anerkennung für die Leistungen, über die jahrelang auch von der Presse nicht berichtet wurde. Ihre Auszeichnungen nahmen sie stellvertretend für ihren Zug und ihre Kompanie entgegen, insbesondere auch für die Kameraden, die verwundet oder gefallen sind.

Wieviel kann eine Einsatzmedaille leisten?

Die Stiftung der Einsatzmedaille der Bundeswehr Gefecht ist ein weiterer Schritt des Verteidigungsministers, die Arbeit der Soldaten angemessen zu honorieren, anzuerkennen, dass sie sich in Afghanistan in einem Krieg befinden und auch, sich für den Respekt der Öffentlichkeit vor der Arbeit unserer Soldaten einzusetzen. Wie er selbst sagte, kann eine Medaille nur „im kleinsten, bescheidensten Rahmen“ etwas zurück geben, und sicherlich gibt es keine Entschädigung – wie hoch auch immer – die einem Kind den Vater, den Eltern den Sohn oder der Frau den Partner ersetzen kann. Es ist immer wieder bemerkenswert, wie gefasst die Familienangehörigen unserer Soldaten sind. Es kann für niemanden leicht sein, so sehr an den Verlust eines geliebten Menschen und darüber hinaus auch noch an die genauen Umstände des äußerst gewaltsamen Todes erinnert zu werden. Natürlich gab es auch Tränen, aber von der unendlichen Tapferkeit, mit der die jungen Frauen die Medaille des gefallenen Mannes und des Vaters ihrer jungen Kinder entgegen nahmen, könnten wir uns alle eine Scheibe abschneiden. Nachdem der Bundesminister der Verteidigung an den Eid der Bundeswehrsoldaten erinnert hatten, den die ausgezeichneten Soldaten erfüllt und bei dessen Ausübung sie feige getötet wurden, hatte ich bei der vom Holzbläserquintett des Stabsmusikkorps gespielten Nationalhymne nicht nur Tränen in den Augen sondern auch eine Gänsehaut.

Niemand wird die in die Familien gerissenen Lücken füllen können. Und auch eine Einsatzmedaille kann nicht über einen so schmerzlichen Verlust hinweg trösten. Trotzdem ist die Anerkennung der Arbeit und des überdurchschnittlichen Engagements in katastrophalen Situationen unendlich wichtig. Und vielleicht hilft es doch ein bisschen zu wissen, dass der Partner, der Bruder, der Sohn oder der Vater seinen Kameraden durch sein mutiges Handeln das Leben gerettet hat.

Weitere Informationen:

BMVg. (29.11.2010). Ehrenkreuze für Tapferkeit und Einsatzmedaillen Gefecht verliehen.

BMVg. (26.11.2010). Einsatzmedaille Gefecht erstmals überreicht.

BMVg. (14.01.2010). Ehrenzeichen und Einsatzmedaillen der Bundeswehr.

Das Ehrenmal der Bundeswehr

Das Internationale Magazin für Sicherheit (IMS) wies auf seiner Facebookseite gestern auf einen Artikel von Zeit Online hin, in dem Reinhold Robbe bemängelt, dass kaum jemand das Ehrenmal für die gefallenen Soldaten der Bundeswehr in Berlin kenne. Er fordert darüber hinaus nun über eine “zentrale Gedenkstätte für alle Soldaten, Polizisten, Diplomaten und Entwicklungshelfer nachzudenken, die im Auslandseinsatz gefallen sind oder getötet wurden”.

Da Einzelplan 14 aus Berlin berichtet, fällt es schwer zu glauben, dass kaum jemand das Ehrenmal kennt.

Aber wie sieht es mit der Akzeptanz aus? Ist das Ehrenmal vielleicht innerhalb Berlins falsch plaziert? Hätte es nach Bonn auf die Hardthöhe gemusst? Braucht Deutschland vielleicht gar kein Ehrenmal? Ich bin gespannt auf die Antworten auf diese Fragen und rufe daher eine neue Umfrage ins Leben. Diese endet in einer Woche – Ergebnisse hier und auf der Einzelplan 14-Facebook-Seite.

Mehrfachantworten sind möglich, die Mehrfachteilnahme an der Umfrage jedoch nicht.

Zur Beantwortung der Fragen geht es hier.

„…before you get to be defense minister“ – Frauen als Entscheider in der Sicherheits- und Verteidigungspolitik

Das Thema der Frauen in der Sicherheitspolitik wurde hier bereits angeschnitten.

Vergangene Woche veranstaltete Women in International Security Deutschland e.V., die deutsche Sektion von WIIS gemeinsam mit der Friedrich-Ebert-Stiftung und der amerikanischen Botschaft in Deutschland eine transatlantische Fachtagung mit dem Namen “Decision-Making in Security and Defense Policy: Men Without Women?”

Das Thema Frauen in der Sicherheitspolitik hat viele Facetten, die in der Vergangenheit bereits hier und an anderer Stelle angerissen wurden. Zum 10-jährigen Jubiläum der Resolution 1325 des UN-Sicherheitsrates, in der ein höherer Anteil von Frauen bei der Verhütung, Bewältigung und Beilegung von Konflikten gefordert wurde, ging es während der Tagung um bereits erreichte Ziele und den Anteil der Frauen in Entscheiderpositionen.

Jede Referentin hatte einen ganz eigenen Werdegang – militärisch oder zivil, national oder international, auf der Seite der Entscheider oder als Beobachter.

Nach der Begrüßung durch Hans-Ulrich Klose hat Dr. Constanze Stelzenmüller (bekannt als ehemalige Redakteurin bei der Zeit, durch ihre Arbeit beim German Marshall Fund in Berlin oder als Vorstandsvorsitzende von WIIS Deutschland e.V.) kurz in die Thematik eingeführt.

Die aus Washington, DC angereiste Dr. Kathleen Hicks berichtete über ihre Arbeit als US Deputy Under Secretary of Defense for Strategy, Plans and Forces (in Deutschland etwa vergleichbar mit dem Fü S III) im Pentagon. Ihre Vorgesetzte Michèle Flournoy ist die Nummer 3 im Pentagon, und steht im Organigramm des Pentagons sogar über Gen. Petraeus und allen weiteren Kommandeuren des US Militärs. Über Dr. Kathleen Hicks wurde von All Business Ende 2009 der Artikel A Woman’s Place is at the Pentagon geschrieben. Und schon darin sieht man dass es in den USA viel selbstverständlicher ist, dass Frauen sich nicht nur für Sicherheitspolitik interessieren sondern sich daran sowohl auf praktischer Ebene als Soldat und auch auf Entscheiderebene beteiligen als das in Deutschland der Fall ist. Denn – wie Dr. Constanze Stelzenmüller verdeutlichte – wer kann sich in Deutschland einen Artikel mit dem Titel “Der Platz einer Frau ist im BMVg” vorstellen? (Und meint damit nicht nur eine Referentenstelle sondern eine Position, in der sie wirklich mitreden kann?)

In den USA sind fünfzehn Prozent der Streitkräfte und ein Viertel der Mitarbeiter im Pentagon weiblich. Bei einer angestrebten Karriere in der Sicherheitspolitik als Frau gibt es dort genau wie hier drei Stolpersteine:
1) das Alter – viele sind noch sehr jung
2) das Geschlecht
3) die fehlende operative Erfahrung

Das Geschlecht spielt bei der Einstellung die geringste Rolle, so Dr. Kathleen Hicks. Natürlich ist es in den USA schon viel länger normal, dass Frauen in den Streitkräften dienen und im Auswärtigen Amt arbeiten – seit 1970 dürfen Frauen Soldaten werden, seit 1972 im diplomatischen Dienst arbeiten. Im Vergleich zu den zehn Jahren die deutsche Frauen in der Bundeswehr (abgesehen vom Sanitätsdienst) akzeptiert sind, habe wir also noch einen langen Weg vor uns. Aber vielleicht können wir uns ja an den amerikanischen Verhältnissen ein Beispiel nehmen.

Denn in den USA gibt es inzwischen den ersten weiblichen ****-General – Ann E. Dunwoody.

Während der Fachtagung stellte sich besonders heraus, dass Frauen sich eher für einen Beruf in der Sicherheits- und Verteidigungspolitik entscheiden, wenn sie bereits durch die Familie in Berührung mit den Streitkräften gekommen sind. Und wenn ich mir meinen Freundes- und Bekanntenkreis so ansehe kann ich das nur bestätigen. Die meisten der weiblichen Soldaten die ich kenne, sind entweder durch ihren Vater oder Bruder (in Einzelfällen durch die Mutter) zum Militär gekommen – oder später durch ihren Partner. Übrigens kommt auch General Dunwoody aus einer Militärfamilie.

Laut Aussage von Major Paula Broadwell, einer amerikanischen Soldatin die zur Tagung extra aus Afghanistan gekommen war, gibt es in den amerikanischen Streitkräften keine so genannte “brass ceiling”. Sie hatte nie Probleme damit, eine Frau beim Militär zu sein und sagte so lange sie ihren Job macht, stört es weder sie noch ihre Kameraden oder Vorgesetzten, dass sie eine Frau ist. Das ist umso erstaunlicher, da die Westpoint Absolventin bei den Sondereinsatzkräften ist, von denen lediglich 2 Prozent weiblich sind.

Fazit der Veranstaltung ist, dass es keiner Quote bedarf um Frauen in der Sicherheits- und Verteidigungspolitik auch und verstärkt in Entscheiderpositionen zu bringen. Die diskutierenden Podiumsmitglieder meinten selbst, dass Qualität wesentlich wichtiger ist, als ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Männern und Frauen zu erreichen. Die Vorteile von Frauen in den Streitkräften wurden natürlich auch hervorgehoben – beispielsweise mit dem Lioness-Programm in Afghanistan, das sich ausschliesslich aus weiblichen Marines zusammensetzt, die als Multiplikator agieren. In einem Land wie Afghanistan mit einer etwa 49%igen weiblichen Bevölkerung werden so Frauen und Kinder erreicht, mit denen männliche Soldaten aufgrund der kulturellen Gegebenheiten nicht hätten interagieren können.

Nur am Rande – und vielleicht auch um den Titel des Beitrags zu erklären: der ermunterndste (und ein kollektives Schmunzeln hervorrufende) Satz begann mit den Worten “At junior level, before you get to be defense minister….” Genau. Denn der Platz einer Frau ist schließlich im BMVg. Oder nicht?

Quellen und weitere Informationen:

Bahlo, Freimut. (1997). Steg durch das Verteidigungsministerium Bonn. Wikimedia.

Lioness the Film. (9. Mai 2009). Marines Use Lionesses in Afghanistan.

Mulrine, Anna. (1. November 2009). A Woman’s Place Is at the Pentagon. All Business.

Feierliches Gelöbnis am 66. Jahrestag des gescheiterten Hitler-Attentates

Heute findet das feierliche Gelöbnis von rund 420 Rekruten vor dem Reichstag statt. IBuK Karl-Theodor zu Guttenberg und Ewald-Heinrich von Kleist werden zu den Rekruten sprechen. Von Kleist ist der letzte lebende Mitverschwörer aus dem Kreis um Stauffenberg. Eine Live-Übertragung gibt es von 18.30 bis 19.45 Uhr auf Phoenix.

Die Wehrdienstleistenden geloben dabei nach §9 im Soldatengesetz
„…der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen.“

Für Berufssoldaten und Soldaten auf Zeit heißt die Eidesformel
„Ich schwöre, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen [, so wahr mir Gott helfe].“

Feierliches Gelöbnis am 20. Juli 2010

Früher fand das Gelöbnis fast ausschliesslich in den Kasernen statt. Von 1999 bis 2007 wurde es öffentlichkeitswirksamer im Bendlerblock in Berlin abgehalten – an der Gedenkstätte für den Widerstand gegen den Nationalsozialismus und der Stelle, an der die Attentäter um Stauffenberg am 20. Juli 1944 hingerichtet wurden. Die Bundeswehr bekannte sich damit auch immer wieder zu ihrem Widerstand gegen den Nationalsozialismus.

Seit 2008 wird das Gelöbnis allen Widerständen (auch des Grünflächenamtes von Berlin) zum Trotz vor dem Reichstagsgebäude abgehalten. Damit soll sowohl das Gelöbnis als auch die Wehrpflicht mehr in das öffentliche Leben rücken.

Bildquelle:
Bundeswehr-Fotos. (20. Juli 2010). Feierliches Gelöbnis. Flickr.

Happy birthday, US Army.

Heute ist der 235. Geburtstag der US Army (“America’s Army, the strength of the nation”).

Geburtstagskuchen

Laut Auskünften eines guten Freundes gibt es zur Feier des Tages für jeden Soldaten ausnahmsweise* eine Flasche Bier (auch in Einsatzgebieten wie im Irak).

In diesem Sinne “Prost”, “auf Euch” und danke für alles. (Besonders an Ryan und Alex, die gerade im Einsatz sind.)

Bierflasche

Go army!

*Die USA haben eine “no-alcohol-in-a-war-zone policy”. Eine weitere Ausnahme ist der Super Bowl, an dem zwei Flaschen Bier pro Kopf erlaubt sind. Im Zusammenhang mit einer Anfrage der FDP an das Verteidigungsministerium im November 2008 (aus deren Ergebnis meiner Meinung nach völlig falsche Schlüsse gezogen wurden) wurde erneut klar gestellt, dass es für Streitkräfte in NATO-Missionen eine two-can-policy gibt, die jedem Soldaten zwei Bier pro Tag erlaubt. Einige Streitkräfte wie die USA oder Großbritannien verbieten Alkohol in Einsatzgebieten jedoch ganz. In diesem Zusammenhang gab es natürlich auch Animositäten, wie etwa folgendes Zitat in der Washington Post zeigt:

“Germany has been reluctant to send its soldiers to Afghanistan. Not so its beer.”

Das wurde dem deutschen Engagement am Hindu Kusch jedoch schon 2008 nicht wirklich gerecht.

Quellen und mehr:

U.S. Army. The 235th United States Army Birthday.

Der Tagesspiegel. (12. November 2008). Eine Million Liter Bier für deutsche Soldaten in Afghanistan.

Süddeutsche. (12. November 2008). Alkohol in Afghanistan: Schluckspechte bei der Bundeswehr?

Whitlock, Craig. (14. November 2008). German Supply Lines Flow With Beer in Afghanistan. Washington Post.

Nationaal Archief. Kinderen rond kersttulband met kaars. Flickr.

Steve Kocino. Beer Bottle Art. Flickr.

“Patiare potius ipse quam facias scelus.” oder Kundus – Eine kleine Presseschau

“Besser Unrecht erleiden als Unrecht tun.” sagte Lucius Annaeus Seneca d. Jüngere.

Das scheint übertragbar auf die derzeitige Debatte um die Vorkommnisse in Chahar Darreh, etwa sechs Kilometer südwestlich vom deutschen Provincial Reconstruction Team (PRT) in Kundus am 04. September 2009.

Obwohl es inzwischen sehr viele Berichte und auch zeitliche Abläufe des 04. Septembers gegeben hat, verwundert es doch, dass diese bestenfalls am 03. September beginnen. Es gab allerdings auch ein Leben vor Kundus. Deshalb aus aktuellen Anlass – damit vielleicht auch wir aus Deutschland uns ein besseres Urteil darüber machen können, wie es dazu kommen konnte, dass Oberst Georg Klein so gehandelt hat, wie er es tat – hier eine kleine Auswahl diverser Meldungen aus Afghanistan aus der Zeit vor dem 04. September:

- 04.08.2009 Taliban kehren zurück nach Kundus Jetzt drohen den Bundeswehrsoldaten in Kundus neue Angriffe

- 10.08.2009 Angriff auf Bundeswehr Bundeswehrsoldaten wurden am Sonntagmorgen um 4.30 Uhr drei Kilometer südwestlich des deutschen PRT in Kundus mit Hand- und Panzerabwehrwaffen beschossen. Wenig später wurden sie erneut attackiert und es kam zu einem Feuergefecht.

- 15.08.2009 Bombenanschlag auf das NATO-Hauptquartier in Kabul 8 Menschen sterben.

- 31.08.2009 Bundeswehr-Soldaten in Kundus beschossen Am 29. August sind deutsche Soldaten mit Handfeuer- und Panzerabwehrwaffen beschossen worden.

- 03.09.2009 Vizechef des afghanischen Geheimdienstes NDS wird von Taliban ermordet

- 03.09.2009 Gegen 22 Uhr afghanischer Zeit werden zwei Tanklastzüge des deutschen PRTs aus einem NATO-Versorgungskonvoi auf dem Weg nach Angorbagh gestohlen. Beide Fahrer werden geköpft. Später bleiben die Tanklastzüge in einer Sandbank stecken. Es wird angenommen, dass sie die Straße verlassen haben, um zu wenden und zum deutschen Feldlager zu fahren.

Am 04. September 2009 erfolgte dann der Luftangriff auf die zwei Tanklastwagen und Taliban. Natürlich ist es schrecklich, dass es dabei auch zivile Opfer gegeben hat. Das bestreitet niemand – weder in der Politik noch im Verteidigungsministerium. Aber wir sollten auch nicht vergessen – es sind unsere Mitbürger, unsere Brüder und Schwestern, Väter und Mütter, Männer und Frauen, die mehrfach bedroht, beschossen, angegriffen, verwundet oder getötet worden sind. Können wir es mit uns vereinbaren, zu akzeptieren wenn unseren Mitbürgern Unrecht getan wird, wenn sie attackiert werden weil sie ihre Arbeit tun (etwa den Schutz der zivilen Aufbauhelfer) und man ihre bisher erreichten Erfolge zunichte machen will? Sollen wir tatsächlich akzeptieren, dass unsere Soldaten unter Beschuss stehen und sich nicht wehren? Ist es wirklich besser, Unrecht zu erleiden als Unrecht zu tun? Die toten Zivilisten sind tragisch und wären vielleicht vermeidbar gewesen. Aber man sollte sich vor Augen halten, dass die Bundeswehr unter ständigem Beschuss von als solchen nicht identifizierbaren Kämpfern stand und dass nach dem erfolgreichen Anschlag mit Tanklastzügen auf ein Gefängnis im Süden Afghanistans bereits Anschläge mit Tanklastzügen auf deutsche Camps versucht worden waren.

Dr. Franz Josef Jung hat – in einem seiner besseren Momente als Bundesverteidigungsminister – nach dem Angriff auf das NATO-Hauptquartier in Kabul im August 2009 gesagt “Wer uns angreift, wird bekämpft”.

Oberst Klein sollte man zu Gute halten, dass er versucht hat nach den wiederholten Anschlägen auf die Bundeswehr, besonders im Raum Kundus, unsere Soldaten zu schützen. Und das ist als Kommandeur seine erste Aufgabe. Nach dem erneuten Erstarken der Taliban im Raum Kundus (der ethnisch fast ausschliesslich aus Paschtunen besteht, aus denen sich die Taliban wiederum zu einem Großteil rekrutieren) auch mit versuchten Anschlägen mit Tanklastwagen (!) auf das Bundeswehr-Camp sollte man ihm den versuchten Schutz der Soldaten hoch anrechnen.

Bereits 2008 hat Abdulmajid Azimi, Leiter des afghanischen Nachrichtendienstes NDS (National Directorate of Security) in Kundus ein härteres Vorgehen der Deutschen gefordert.

Auf den nächtlichen Beschuss des deutschen Lagers [durch die Taliban] gebe es deshalb nur eine Antwort: Bomben aus der Luft, “so, wie es die Amerikaner machen”.

(Zitiert in Koelbl, Susanne und Gebauer, Matthias. (27. Oktober 2008). Tödlicher Einsatz. Der Spiegel. [20. September 2009].)

Inzwischen hört man, dass Oberst Klein Informationen des Bundesnachrichtendienstes hatte, nach denen die Taliban planten, das deutsche Camp in Kundus mit den Tanklastzügen anzugreifen. Diese Vermutung steht ja (auch im Zusammenhang mit der Annahme, die Laster seien nur in der Sandbank stecken geblieben, als sie wenden wollten, um zum Camp zurück zu fahren) schon länger im Raum, nun kommt also ein Drei-Punkte-Plan der Taliban dazu.

Also warten wir erst einmal ab, was der Untersuchungsausschuss findet. Und um beim Latein zu bleiben:

In dubio pro reo. Das gilt auch für Oberst Georg Klein.